Aktuell

25 Jahre Deutsche Einheit

DELTA-Studie zu Geschlechtergerechtigkeit in Ost- und Westdeutschland von 1990 bis heute

Am 3. Oktober 2015 feiert Deutschland das Jubiläum “25 Jahre Deutsche Einheit“. Zu diesem Anlass hat das DELTA-Institut im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine repräsentative Studie zu Geschlechtergerechtigkeit in Ostdeutschland und Westdeutschland durchgeführt: Wie stand es vor der Wiedervereinigung in der früheren Bundesrepublik und in der DDR um die Gleichstellung von Frauen und Männer? Und wie haben sich unmittelbar nach der Wiedervereinigung die Teilhabechancen von Frauen und Männern in Ost und West und bis heute entwickelt, etwa im Bereich der Erwerbstätigkeit, dem Zugang zu Führungspositionen, den Aufgaben im Haushalt, der Kinderbetreuung? Mit einer aktuellen bevölkerungsrepräsentativen Befragung und objektiven Daten seit den 1980er Jahren vermittelt die Untersuchung ein differenziertes und sehr dynamisches Bild der Gleichstellungsentwicklung, entlarvt zum Teil noch bestehende Vorurteile und Verklärungen und zeigt gleichzeitig, dass die deutsche Einheit nach 25 Jahren auch hinsichtlich der Gleichstellung vorangekommen ist, aber ein noch unvollendetes Projekt ist.

Bemerkenswert ist eine neue, ausgeprägte Erinnerungskultur der Anerkennung, z.B. der westdeutschen Bevölkerung hinsichtlich der Kinderbetreuung in der DDR. Nach erheblicher Zurückhaltung gegenüber allem „DDR-haften“ in den ersten Jahren der Wiedervereinigung (mit teilweise undifferenzierter, negativer Stigmatisierung und pauschaler Diskreditierung) ist diese Anerkennung ein wesentlicher Beitrag zum weiteren Zusammenwachsen der beiden Teile Deutschlands. Mit Blick auf die aktuelle Milieulandschaft für ganz Deutschland zeigt sich: Es gibt heute keine exklusiv westdeutschen oder ostdeutschen Milieus mehr. Der Prozess der Wiedervereinigung hat kulturell zur „Verähnlichung“ der Milieulandschaften in Ost- und Westdeutschland geführt.

  • Interesse am Thema Gleichstellung haben in Ostdeutschland 68 %, in Westdeutschland 65 % der Bevölkerung. Nach 25 Jahren Wiedervereinigung gibt es kein Ost-West-Gefälle mehr im Gleichstellungsinteresse.
  • Auch Männer interessieren sich –  im Osten wie im Westen – mehrheitlich für die Gleichstellung von Frauen und Männern: In Ostdeutschland haben mehr Männer (66 %) Interesse an Gleichstellung als in Westdeutschland (51 %).
  • Die eigentlichen Differenzen verlaufen nicht mehr zwischen Ost und West oder zwischen Frauen und Männern, sondern zwischen sozialen Milieus. Im Milieu der „Postmateriellen“ interessieren sich 82 % für das Thema Gleichstellung, im Milieu „Traditionelle“ hingegen nur 44 %.