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Kanzlerin bekennt sich zur Frauenquote

2. Konferenz „Frauen in Führungspositionen“ am 15.10.2014 im Bundeskanzleramt

Foto: Bundesregierung / Denzel

Foto: Bundesregierung / Denzel

Die Bundeskanzlerin hat zur zweiten Konferenz „Frauen in Führungspositionen“ im Bundeskanzleramt am 15.10.2014 Fachkräfte aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden eingeladen, auch Prof. Dr. Carsten Wippermann vom DELTA-Institut für Sozial- und Ökologieforschung. 

Nach der Begrüßung durch den Chef des Bundeskanzleramts Peter Altmaier begannen die Fachforen. Im Fachforum „Die Gläserne Decke – Was behindert Frauen beim Aufstieg in Führungspositionen?“ hielt Carsten Wippermann einen Impulsvortrag. In diesem beschrieb er zum einen die Mechanismen der Gläsernen Decke. Diese bestehen vor allem aus unterschiedlichen und zum Teil gegensätzlichen, tief verankerten Mentalitätsmustern bei Männern in Führungspositionen. Gerade in der Summe und im Zusammenwirken funktionieren diese Mentalitätsmuster als mehrdimensionale Sperre gegen Frauen: Werden Frauen der einen Anforderung gerecht, fallen sie damit gleichzeitig unter das Verdikt der anderen. So sind diese Mentalitätsmuster die „Hüter der gläsernen Decke“. Es geht also nicht um „böse“ Männer, sondern um ein über Jahrzehnte gewachsenes, fest verwurzeltes, sich selbst erhaltendes und reproduzierendes System kultureller Muster. Und um dieses aufzubrechen und in einen anderen Gleichgewichtszustand zu kommen, reichen Appelle nicht aus. Die Logik, die dieses System aufrechterhält, muss durchbrochen werden. Und dazu sei eine gesetzliche Quote notwendig, denn seit der freiwilligen Selbstverpflichtung der Wirtschaft im Corporate Governance Codex im Jahr 2001 habe sich kaum etwas getan.

-> Vortrag Frauen in Führungspositionen (PDF)

Zum anderen betonte Carsten Wippermann die Rolle von Personalberatungen, von denen einige durchaus Türöffnende für Frauen seien, die Mehrheit sich aber faktisch als Gatekeeper gegen mehr Frauen in Führungspositionen erweisen. Sie würden sich zwar öffentlichkeitswirksam das Thema „Mehr Frauen“ auf die Fahne schreiben, das aber faktisch nicht praktizieren und reflexhaft – mit sichtbarem Bedauern – konstatieren, dass es noch zu wenige hinreichend qualifizierte, mit Branchenerfahrung ausgestattete und für Leitungsfunktionen persönlich reife Frauen gäbe. Ganz im Gegensatz dazu stellen Personalberater vom Typ Türöffnende fest, dass es hinreichend geeignete Frauen für Führungspositionen gäbe, man sie aber auch sehen und den Unternehmen empfehlen wollen müsse. Auf der Grundlage dieses Befunds betonte Wippermann, dass ein Code of Ethics für Personalberater sinnvoll wäre.

-> Rolle und Wirkung von Personalberatungen (PDF) 

Im anschließenden Plenum mit Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Bundesministerin Manuela Schwesig betonte die Kanzlerin, dass das im Koalitionsvertrag beschriebene Vorhaben einer gesetzlichen Frauenquote umgesetzt werde. Die Bundeskanzlerin sagte, Frauen in Top-Positionen seien immer noch eine Rarität und verwies darauf, dass der Anteil von Frauen in Vorständen von Dax-Unternehmen zuletzt sogar gesunken sei. Deshalb sei es müßig, weiter über die Quote zu diskutieren, schließlich seien alle Argumente zu dem Thema lange ausgetauscht. Eine gesetzliche Regelung sei notwendig. „Es ist beschlossen, dass das Gesetz kommt, und nun wird es auch so gemacht. Und Wir werden feststellen, dass das Leben nicht beschwerlicher wird.“ 

Hintergrund: Die Bundesregierung plant unter anderem eine Vorgabe für einen Frauenanteil von 30 Prozent in den Aufsichtsräten der etwa 100 börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen. Sie soll ab 2016 schrittweise bei den dann neu zu besetzenden Posten erfüllt werden. Etwa 3500 Firmen werden bereits ab 2015 verpflichtet, sich selbst Zielvorgaben zu geben, wie sie den Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen erhöhen wollen.